Der Schweizer Automarkt

Gebrauchtwagen Schweiz

Allmählich legt sich die Aufregung um den Neuwagenmarkt. Stattdessen erwerben Frau und Herr Schweizer nun wieder vermehrt Occasionen. Mit diesen Worten etwa lassen sich die ersten 3 Quartale in 2016 beschreiben. Das Wirtschaftsforschungs- und Beratungsinstitut BAKBASEL rechnet im Vergleich zum Jahr 2015 mit einem Verkaufsrückgang von rund 3,7 Prozent bei den Neuwagen sowie einem Verkaufszuwachs von 1,2 Prozent im Gebrauchtwagengeschäft. 

Die Schweizer Strassen sowie die des Fürstenstums Liechtenstein konnten einen Zuwachs von 8,3 Prozent verzeichnen. ImVergleich zu dem sowieso schon sehr erfolgreichen Vormonat entsprach dies genau der Zahl von 2009 Neufahrzeugen. In den ersten 9 Monaten erhielten somit 232‘183 Fahrzeuge ihre Erstzulassung. Dies entspricht einem Rückgang von 3,1 Prozent bzw. 7410 Einheiten. Für Auto-schweiz liegt dieses Ergebnis deutlich über den Erwartungen. Für das laufende Jahr rechnet die Vereinigung Schweizer Automobil-Importeure mit einem Marktrückgang von etwa 5 Prozent.

Wachstumsschub mit 4x4

Allradauto

Diese Statistik analysiert Andreas Burgener, Direktor von Auto-schweiz, folgendermassen: «Verantwortlich für den Marktzugewinn ist die gestiegene Nachfrage nach Allradfahrzeugen. Zurückzuführen ist dies auf die Jahreszeit.» Allein die Anzahl der allradgetriebenen Fahrzeuge stieg um 1879 Einheiten bzw. 18,3 Prozent auf 12‘150. Im September erreichte der 4x4-Antrieb somit einen Rekordanteil am Markt von 46,5 Prozent. «Unsere Kunden suchen vermehrt nach allradgetriebenen Fahrzeugen in Erwartung des nahenden Winters. Auf der einen Seite ist diese Entwicklung natürlich erfreulich, auf der anderen Seite stossen die schwereren Fahrzeuge aber auch deutlich mehr CO2 aus, wodurch wiederum die finanzielle Belastung ansteigt», führt Burgener weiter aus. Ab 2021 wird der CO2-Grenzwert von 95 g/km eingeführt – eine gewisse Vernuft bezüglich des Schweizer Automarktes sollte dementsprechend vorherrschen.

Hybride im Übermass

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass der Trend zu den elektrobetriebenen Fahrzeugen anhält. Die Benzin-Hybride kommen hier im Vergleich zum letzten Monat auf die doppelte Anzahl (544 Fahrzeuge bzw. 104,6%). Die rein elektrisch betriebenen Fahrzeuge kamen auf ein Plus von 169 bzw. 60,4% als vor Jahresfrist. Auf eine Zahl von 1682 Neufahrzeugen, dies entspricht einem Anstieg von 70,8 Prozent, kamen alle Alternativ-Antriebe – nach wie vor ein niedriges Niveau,  dennoch mit wachsendem Marktanteil von 6,4 Prozent. Ebenfalls 5 Prozent Gewinn konnten die dieselbetriebenen Fahrzeuge aufweisen. Bei Betrachtung des gesamten Jahres liegen die Diesel- sowie auch die Elektrofahrzeuge im Vergleich zum Vorjahresniveau etwa auf gleicher Höhe. Die Benzin-Hybride konnten dagegen um 32,5 Prozent zulegen. 

Herausforderungen und Risiken

Als konstant kann die globale Konjunktur keineswegs eingeschätzt werden. Rückschläge sowie Schwankungen müssen jederzeit eingeplant werden. Indirekt kann hiervon auch das Schweizer Autogewerbe betroffen sein. Eine wirtschaftliche Baisse in China, die bevorstehende Leitzinserhöhung in den USA sowie der Verbleib Griechenlands in der Eurozone sind unsicher. Insbesondere aus dem Inland mehren sich die Herausforderungen für den Schweizer Automarkt. Aus politischer Sicht stellen der Fachkräftemangel, die Masseneinwanderungsinitiative sowie umweltpolitische Massnahmen Unsicherheitsfaktoren dar. Auf dem Automarkt dagegen ist es der anhaltende ständige Verdrängungskampf, dem die Stirn in den nächsten Jahren geboten werden muss. Der Gebrauchtwagenmarkt hierzulande beschränkt sich nicht nur auf diverse Online-Angebote bzw. regionale Anzeigenmärkte, auch der bekannte Marktplatz Ebay und diverse Magazine aus dem Fahrzeugbereich kennt der erfahrene Käufer. In der letzten Zeit kommen zudem spezielle Plattformen hinzu. Diese setzen die traditionellen Kleinanzeigen direkt im Internet um. Die traditionellen Wege ein Fahrzeug zu erwerben rücken immer mehr in den Hintergrund. Die Schweiz hat diesen Trend schon lange im Fokus gesehen. Allerdings ist es hier nicht Ebay, sondern der Marktplatz Ricardo bzw. autoricardo für den Gebrauchtwagenbereich, der als Online Marktplatz gross geworden ist. 

 

In der Schweiz ist die Sachlage also eine andere als bei uns. Gebrauchtwagen in der Schweiz werden aber auch deshalb selten gesucht, da die Schweizer diese Fahrzeuge nicht unter dem Begriff „Gebrauchtwagen“ führen. Der Schweizer sucht in einem solchen Fall nach den so genannten „Occasion Autos“.

 

Plattformen wie Ricardo sind klarerweise mit den Schweizer Franken als Währung aufgebaut. Der Euro-Nutzer muss in diesem Fall von CHF auf EUR unrechnen. Grob kann man sagen, dass eine Summe von 1000 Franken in etwa einem Eurowert von 800 entspricht. Die angegebenen Franken kann man also um ein Fünftel runterrechnen, wenn man die Angebote in der Schweiz mit den unseren vergleichen möchte. 

 

Der Gebrauchtwagenmarkt in der Schweiz lässt sich folgendermassen beschreiben: Unkompliziert, ähnlich zu unserem Angebot sowie einfach abzuwickeln was den Import betrifft. Manches Schnäppchen lässt sich hier bei genauerem Hinschauen erwerben. Suchen Sie nach einem Gebrauchtwagen in der Schweiz, suchen Sie einfach nach den bereits oben erwähnten Plattformen. 

 

Die Eurotax Glass's International AG veröffentlichte in jüngster Zeit ihre Daten und Zahlen bezüglich der Fahrzeugverkäufe. Die Schweiz wird demnach mehr und mehr zu einem Land der Gebrauchtfahrzeuge. 

 

Die Eurotax Glass's International AG ist ein Diensleistungsunternehmen, das im internationalen KFZ-Handel tätig ist. Bezüglich des ersten Quartals im Jahr 2014 wurde eingehend analysiert und ausgewertet. Im Zeitraum Januar bis März wechselten demnach genau 209.894 Fahrzeuge ihren Besitzer in der Alpenrepublik.

Erstmals übersteigt das Verhältnis von Neu- und Gebrauchtwagen den Faktor 3

Diese Zahlen zeigen im direkten Vergleich zu den Zahlen aus dem Vorjahr ein Plus von 0,7 %. Das Verhältnis zwischen Neu- und Gebrauchtwagen übersteigt nun erstmalig den Faktor 3. Zum jetzigen Zeitpunkt kann allerdings noch nicht gesagt werden, ob es sich um einen Trend bzw. um eine reine Momentaufnahme handelt. Das Unternehmen Eurotax macht hierfür in erster Linie die sehr hohe Anzahl an Tageszulassungen und die grossen Rabatte der Verkäufer verantwortlich. Diese wiederum sorgten für eine starke Nachfrage, was dazu führte, dass ein Gebrauchtwagen mittelfristig betrachtet  lediglich 95 Tage Standzeit hatte. Vergleicht man das Vorjahresquartal mit den aktuellen Zahlen ergibt sich ein Minus von 6,9 %. Laut den Aufzeichnungen von Eurotax gingen wiederum im gleichen Zeitraum die Zahlen von Neuzulassungen in der Schweiz und Liechtenstein deutlich runter. 2014 wurden im ersten Quartal demnach weniger Neufahrzeuge verkauft als in den Vergleichsmonaten des letzten Jahres. 

 

Im Umkehrschluss kann man aber auch sagen, dass die hohe Gebrauchtwagennachfrage den Handel  mit zusätzlichen Problemen konfrontiert. So kann es bezüglich einiger Modelle zu einer wahren Fahrzeugverknappung kommen, laut einigen Autohäusern in der Schweiz. Insgesamt sind zwar genügend Gebrauchtfahrzeuge auf dem Schweizer- sowie Liechtensteiner Markt vorhanden, dennoch ist das für den Kunden „richtige“ bzw. das mit hohen Margen für den Verkäufer attraktive Fahrzeug nicht immer dabei. 

junge Gebrauchtwagen

Gut ausgestattete junge Gebrauchtwagen bevorzugt der Schweizer

Der Schweizer hat keine Scheu vor grösseren Anschaffungen. Dies ist nicht zuletzt auch der guten konjunkturellen Lage sowie der eigenen Wirtschaftskraft zuzuschreiben. Dies kann man auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt spüren. Die Nachfrage nach jungen Gebrauchten mit guter Ausstattung sowie einem sparsamen Verbrauch steigt ständig an. Seit dem Jahr 2009 ist das Angebot an solchen Fahrzeugen um genau 20,2 % angewachsen. Die sehr jungen Gebrauchtfahrzeuge konnten sogar ein Plus von 33,6 % generieren.

 

Dazu muss man aber auch sagen, dass der Käufer insbesondere nach gut gepflegte Fahrzeugen dieser Art Ausschau hält. Der Preis spielt dabei erst einmal eine untergeordnete Rolle. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass es einige Modelle auf dem Gebrauchtwagenmarkt nur noch umständlich zu erwerben sind. Stellt man diesen Fahrzeugen nun die etwas älteren, sprich älter als 3 Jahre, gegenüber, kann man eine wahre Überflutung erkennen. Wer nun sein nur etwas älteres „Schätzchen“ loswerden will, sucht dementsprechend nach einem jungen Gebrauchten. Künftig könnte es zu einem enormen Ungleichgewicht auf dem Gebrauchtwagenmarkt in der Schweiz kommen, sollte sich dieser Trend fortsetzen. Experten der Branche sehen in dieser Entwicklung allerdings auch eine erneute Chance den Neuwagenmarkt wieder anzukurbeln bzw. neu aufleben zu lassen.