Car-Sharing in der Schweiz

Car-Sharing in der Schweiz

Die Schweizer haben etwa kurz vor der Jahrtausendwende das kommerzielle Car-Sharing entwickelt. Seitdem hat sich dieser Wirtschaftszweig auf über 600 Städte auf der Welt ausgeweitet. Der Boom dieser effizienten Fahrzeug-Nutzung hat jedoch noch lange nicht seinen Höhepunkt erreicht.

Wie und für wen sich das Car-Sharing lohnt, werden wir hier erklären: Auf diese Weise lässt sich Geld sparen und die Suche nach einem geeigneten Parkplatz gehört der Vergangenheit an.

 

Immer mehr Menschen zieht es weltweit in die grossen Monopolen. Ein Auto zu besitzen wird dabei immer mehr zum Standard, was leidlich zu regelmässigen Staus in den Innenstädten, hoher Atemluftbelastung durch den CO2-Ausstoss und einer stets kleiner werdenden Auswahl an Parkmöglichkeiten führt. Statistisch wird im Schnitt jedoch jedes Auto am Tag nur eine Stunde bewegt und steht die restliche Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einem kostenpflichtigen Abstellplatz. Car-Sharing bietet in diesem Sinne eine sinnvolle Lösung für dieses wachsende Problem. Aus diesem Grund erfreut sich das Teilen der Fahrzeuge immer grösserer Beliebtheit.

Mit Sorgfalt und Ordnungssinn zum Car-Sharing

In der Schweiz fand das Car-Sharing seinen Ursprung. Bekannt für Präzision und Erfindungsgeist ist es nicht verwunderlich, dass einige kluge Köpfe aus diesem kleinen Land grosses Ansehen geniessen. Als Vorbild des Car-Sharing gilt die Selbstfahrergemeinschschaft aus Zürich, die von 1948 bis 1998 die Teilnutzung von Fahrzeugen populär machte. Die Hauptmotivation hinter dieser Gemeinschaft lag in der Tatsache, dass sich damals nicht jeder einfach ein Auto leisten konnte und deshalb mehrere Personen eines gemeinsam besassen, das sie ganz pragmatisch teilten. Obwohl in den siebziger Jahren und Anfang der achtziger Jahre in Europe, Nordamerika und Japan mehrere Car-Sharing-Projekte startete, konnte keines einen Durchbruch erzielen. Die Projekte wurde nach und nach wieder eingestellten, da sie sich nicht ausreichend etablierten. Letztendlich in der Schweiz setzte sich das kommerzielle Car-Sharing durch: Während die beiden Car-Sharing-Genossenschaften ATG AutoTeilet in Stans und ShareCom in Zürich im Jahr 1987 unabhängig voneinander gegründet wurden, brachte die Fusion der zwei Organisationen 1997 das erste Car-Sharing-Unternehmen hervor, das heute noch als schweizer Marktführer existiert: Mobility.

 

Dass ein derart erfolgreiches Konzept in der Schweiz seine Wurzeln hat, ist nicht unbegründet: Pünktlichkeit, Ordnungssinn und der achtsame Umgang mit den Dingen, diese Eigenschaften sind den Schweizern seit jeher inne. So war es für alle Beteiligten einfach, mit dieser gemeinsamen Gesinnung die abwechselnde Nutzung eines Fahrzeuges für alle erschwinglich umzusetzen. Nur wenn sich alle darauf verlassen können, dass jeder mit derselben Sorgfalt das Gemeingut pflegt und übergibt, ist ein reibungsloser Ablauf möglich. Zusätzlich ist die Infrastruktur in der Schweiz hervorragend ausgebaut. Besonders in den Städten sind die Menschen nicht mehr auf ein eigenes Auto angewiesen, wodurch sich ein Auto nach Bedarf durch hohe Kostenersparnis auszeichnet. Auch der Umweltschutz hat für die Nutzer einen hohen Stellenwert: Mit den Diskussionen Mitte der achtziger Jahre, ausgelöst durch das fortschreitende Waldsterben, entwickelte sich ein grünes Bewusstsein und damit ein ökologisches Gewissen, das die Bevölkerung zu einem nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen animierte. In den Anfängen seiner Entwicklung zielte das Car-Sharings genau auf diese, noch relativ kleine, Gruppe ab.

 

Die Gemeinschaft der Car-Sharer startete 1987 mit zwei Autos und 20 Mitgliedern. Im Jahr 2007, etwa 20 Jahre später, zählte der Verein bereits mehr 73 600 Mitglieder und war mit fast 2000 Fahrzeugen an 1050 Standorten vertreten. Der unaufhaltsame Erfolg des Car-Sharing war durch die ökologischen Argumente nicht alleine erklärbar. Das Bundesamtes für Energie (BfE) befragte Mitglieder nach Ihren Beitritts-Beweggründen: Mit 29,6% standen hierbei ökologische Gründe im Vordergrund, direkt gefolgt von 21,4% der Befragten, die sich finanzielle Vorteile davon versprachen. Schon kurz nach dem Zusammenschluss der beiden Car-Sharing-Gemeinschaften zu Mobility wurde 1997 die Werbung für die Kundschaft gleichermassen mit ökologische und ökonomische Werten neu ausgerichtet. Umweltschutz, Preis und Qualität waren nun äquivalente, überzeugende Argumente. Laut dem CEO von Mobility, Karl Heusi, ist die Ökonomie der im Endeffekt ausschlaggebende Faktor für den Siegeszug des landesweiten Car-Sharing. Die Schweizer Bevölkerung hat den Ruf, sparsam und überlegt Ihr Erarbeitetes einzusetzen. Die Investition in ein eigenes Auto und die folgenden Unterhaltskosten stellten sich in einigen Fällen als teurer heraus, als wenn man einfach nach Bedarf Zugriff auf ein Fahrzeug in der gewünschten Größe erhält. Mit diesem Angebot konnte das Car-Sharing genau die Kunden erreichen, die zwar die öffentlichen Verkehrsmittel bevorzugen, aber dennoch ab und zu aus verschiedenen Gründen ein Auto benötigen. Die Mobilität war somit von dem Besitz eines eigenen Autos unabhängig.

Einstieg in die E-Mobilität

An dem mittlerweile engmaschigen Netz von Mobility beteiligen sich bereits mehr als 100 000 Schweizer. Über 2600 Fahrzeuge stehen in 500 Städten und Gemeinden zur Verfügung. Die Auswahl der Fahrzeuge umfasst neun unterschiedliche Klassen. Eine Fahrzeugflotte, angefangen beim innovativen Elektroauto Renault Twizy über Kombis, Minivans, schnittige Cabriolets bis zum Transporter, steht für das Teilen nach Bedarf bereit.

 

Im Westen der Schweiz gibt es noch ein kleines Unternehmen namens Electric Easy, das ausschliesslich Elektromobile teilt. Ausserdem stellt die Schweizer Post mit ihrem Pilotprojekt eShare in den Städten Bern, Basel, Ittingen und Geroldswil zusätzlich eine Flotte von E-Autos zur Verfügung.

 

Seit kurzer Zeit ist noch eine weiteres Car-Sharing auf dem Markt aufgetaucht: Private Fahrzeughalter teilen Ihr Auto zu einem festen Tages- oder Stundensatz mit anderen Mitgliedern. In diesem Bereich versucht gerade M-Way über die Buchungsplattform sharoo.com diese Marktlücke zu belegen.

Spitzenreiter Schweiz

Auch wenn die Schweizer mit Car-Sharing weltweit an der Spitze liegen, handelt es sich dabei dennoch um ein Nischenprodukt. Obwohl gerade einmal 1% der Schweizer das Car-Sharing für sich entdeckt haben, sind sie mit diesem geringen Bevölkerungsanteil weltweit mit Abstand auf dem ersten Platz. Platz 2 und 3 werden von Österreich und Singapur mit etwas über 0,1% belegt. Innerhalb Europas ist Mobility das grösste Car-Sharing-Unternehmen. Die Firma Zipcar, die den Markt in Grossbritannien, Kanada und USA bedient, konnte erst vor kurzem Mobility den Rang als weltweit grösstes Car-Sharing-Unternehmen streitig machen. 

 

Nachdem das Wachstum von Mobility in den Jahren nach 2003 allmählich abflaute, sorgte die Marketingabteilung mit viel Aufwand für einen erneuten Anstieg. Im ersten Halbjahr des Jahres 2007 verzeichnete Mobility einen sprunghaften Zuwachs um 4000 Mitglieder und erweiterte den Fuhrpark um 100 neue Fahrzeuge, wobei Geschäftskunden dabei einen Anteil von zirka 10% ausmachten. Für dieses Jahr erhoffte sich die Geschäftsleitung eine Erhöhung des Jahresumsatzes um 10% auf etwa 50 Mio. Franken.

Je grösser, desto besser

Das Prinzip des Car-Sharing beruht auf der Netzwerk-Technologie. Je grösser das Netzwerk ist, umso mehr Vorteile hat der einzelne Kunde. Je mehr Mitglieder Beiträge und Gebühren bezahlen, umso mehr Autos kann sich das Unternehmen leisten, die Fahrzeugmodelle können mehr variieren, es gibt mehr Standorte, der Weg zum nächsten Abstellplatz mit verfügbaren Fahrzeug wird kürzer, was wiederum für einen grösseren Kundenkreis interessant ist. Diesem Wachstum steht als Begrenzung das private Auto gegenüber. In Konkurrenz zu Mietautos oder den öffentlichen Verkehrsmitteln steht das Car-Sharing nicht, da diese Anbieter unterschiedliche Bedürfnisse der Kunden ansprechen. Sie ergänzen sich und eröffnen eine breite Palette der Mobilität.

 

Das absolute Marktpotential schätzt das Bundesamt für Energie auf 6% der Schweizer Gesamtbevölkerung, dies entspricht einer Anzahl von 500 000 potentieller Kunden. Da jedoch aufgrund des Umfeldes und der Firmenstrategien der Anbieter nicht alle Möglichkeiten optimal angepasst werden können, beschränkt das BfE dennoch den realen Interessentenkreis auf 100 000 Kunden. Durch die Ausweitung auf ausländische Märkte kann Mobility das Wachstum langfristig aufrechterhalten.

 

Aus diesem Grund setzt Mobility bereits auf erste Kooperationen mit ausländischen Firmen. Avancar in Barcelona und DenzelDrive in Österreich nutzen die Firmensoftware aus der Schweiz, deren Rechte allein bei Mobility liegen.

Car-Sharing, so funktioniert das Prinzip

Gewöhnlich wird das gewünschte Fahrzeug online ausgesucht und dann gebucht oder vorgemerkt. Zum bestellten Zeitpunkt öffnen Sie das Auto dann bequem mit der Kundenkarte und entnehmen den Schlüssel aus dem Handschuhfach. Wenn man gerade unterwegs ist, kann man sich von einer App auf dem Smartphone anzeigen lassen, wo das nächste Auto steht. Holt man das Fahrzeug zum Fahrtbeginn von seinem Standort ab, dann muss es zum Ende der Fahrt genau dort wieder geparkt werden. Besonders an Bahnhöfen steht oftmals eine Auswahl an unterschiedlichen Fahrzeugklassen zur Verfügung.

 

Die Mitgliedschaft dauert mit dem Abo entweder 4 Monate oder 1 Jahr, zudem hat man auch die Möglichkeit, Genossenschaftler zu werden. Diese Beiträge sind relativ gering, da die Kosten vorwiegend aus der Nutzung entstehen. Diese richten sich nach Mietdauer und gefahrenen Kilometern. Darin sind alle Gebühren für Kraftstoff, Versicherung, Abnutzung und Parkplatz enthalten. 

Rundum ökologisch

Wer Car-Sharing nutzt, trägt dazu bei, dass weniger Autos vom Band laufen und Ressourcen geschont werden. Da es sich bei Car-Sharing stets um neue Modelle handelt, die unter anderem nach Ihrer Energieeffizient ausgewählt werden ist der durchschnittliche Stickstoff-Ausstoss bei diesen Fahrzeugen vorbildlich. Während der allgemeine Schweizer Durchschnitt bei 8,7l Kraftstoff pro 100km liegt, unterbietet die Flotte von Mobility diesen Wert mit 6,5l pro 100km um mehr als ein Viertel! Selbst der Durchschnitt der Neufahrzeuge mit 7,7l auf 100km ist noch deutlich höher. Mit dem geringeren Verbrauch ist der CO2-Ausstoss ebenfalls um etwa 25% niedriger als das Mittel.

 

Neben der umweltschonenden Energieeffizienz ist es für die Kunden vorteilhaft, bei manchen Fahrten auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. In der Bahn kann man besonders zur Rush Hour entspannt und pünktlich ankommen, während die Teilnahme am Berufsverkehr in der Stadt stressig und langwierig sein kann und zum Finale mit einer endlosen Parkplatzsuche belohnt wird. Ein geteiltes Auto wird dann nur noch für kurze Strecken und gezielt gemietet, eventuell für einen grösseren Einkauf oder einen Transport, oder um einfach mal am Wochenende mit dem Cabrio auszufahren. Laut einer Befragung durch das BfE würden sich 20% der Car-Sharing-Nutzer ein eigenes Auto zulegen, wenn der Service nicht mehr verfügbar wäre. Aus diesen Werten errechnet das BfE eine Ersparnis von 290kg  CO2 pro Jahr für jeden Kunden, der regelmässig das Car-Sharing nutzt. Wenn man dieses Ergebnis auf alle Privatkunden von Mobility umrechnet, dann erhält man eine Summe von 11 000t  CO2 für das Jahr 2005! Schätzungsweise ist diese Schadstoffreduktion mittlerweile erneut um zirka 15% gestiegen.

 

Das Teilen eines Autos ist verbreitet. Meistens findet es innerhalb der Familie statt, auch unter Freunden, Bekannten oder Wohngemeinschaften ist es ein gängiger Usus. Es ist allerdings notwendig, dass die Personen Vereinbarungen treffen und sich gegenseitig darauf verlassen können, dass sich jeder an die Abmachungen hält. Es ist sinnvoll, vorher zu besprechen, wer im Falle eines Schadens oder eines Vertrauensbruches für die Kosten und die Unannehmlichkeiten einsteht. So lassen sich unnötige Streitereien vermeiden. Durch den Übergang zum kommerziellen Car-Sharing im Jahr 1997 trat das persönliche Vertrauensverhältnis in den Hintergrund und wurde durch vertraglich festgelegte Regeln und Haftungsbestimmungen ersetzt. So wurde es möglich, das Auto mit unbekannten Personen zu teilen.

Sonder-Konditionen für Fahrschüler

Fahranfänger haben bei dem Unternehmen aus Luzern einen besonderen Stellenwert: Fahrschüler mit einem gültigen Lernausweis können sich bei Mobility 4 Learners ein Fahrzeug ausleihen. Allerdings muss, wie auch bei einem Privatauto, eine Begleitperson auf dem Beifahrersitz sitzen, die mindestens 23 Jahre alt ist und 3 Jahre oder länger den Führerschein besitzt.